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Ist Gott ein moralisches Ungeheuer?

Unser Beitrag zum Verständnis Gottes

Die Frage, warum Gott Leid zulässt, ist schwierig genug. Warum Gott, so scheint es, in manchen Fällen Leid sogar befiehlt, bringt uns von der Frage nach einem allmächtigen Gott zu der Frage nach einem brutalen Gott.

Im Alten Testament lässt Gott ganze Völker auslöschen, und stellt unser Verständnis von Glaube-Liebe-Hoffnung vor eine Herausforderung. Ist Gott ein blutrünstiges Ungeheuer? So sah ihn der Neo-Atheist Richard Dawkins. In seinem Workshop versucht Barna Magyarosi, diesem Vorwurf nachzugehen und bietet - als Ergebnis jahrelanger Forschung – Erklärungsversuche für Gottes Anordnungen, Kriege zu führen. Einige der wichtigsten Erkenntnisse dieses Workshops sind: 1. Es war nie ein Teil des ursprünglichen Plans Gottes, die Israeliten Kriege führen zu lassen. Gott wollte für sein Volk kämpfen, und sein Volk sollte ihm im Glauben vertrauen (2. Mose 14,14). 2. Ursprünglich wollte Gott verfeindete Völker nicht auslöschen, sondern lediglich enteignen. 3. Wo Völker schließlich ausgelöscht werden, hatte die Bösartigkeit der Menschen ein solches Maß erreicht, dass Gott sein Volk vor der zerstörerischen Wirkung des Bösen beschützen musste. 4. Das Böse wehrt sich, gibt nicht freiwillig auf, und wer gegen das Böse vorgeht, kommt um den Einsatz von Gewalt nicht herum. 5. Gottgewollter Einsatz von Gewalt ist als Schutz und Erziehungsmechanismus letztendlich ein Zeichen seiner Liebe denen gegenüber, die er vor dem Bösen bewahren möchte.

Zum Osterwochenende bescherte der Journalist Heribert Prantl uns eine provokante Frage: „Wie tot ist Gott?“ (Süddeutsche Zeitung, 25.3.2016) Er knüpft die Existenz Gottes an das Verhalten derjenigen an, die in seinem Namen handeln. In Anlehnung an Nietzsches Feststellung „Gott ist tot - und wir haben ihn getötet!“ glaubt Prantl, unser Verhalten werde zur Überlebensfrage für Gott.

Tatsächlich sind wir ein Schauspiel, der wesentliche Bestandteil eines großen Kampfes. Unser Verhalten macht Gott nicht lebendiger als er bereits ist, aber es entscheidet darüber, wie lebendig und gut Gott in der Gesellschaft, die seinen Namen nicht kennt oder verleugnet, wahrgenommen wird.

Geschrieben von Janet Reznicek am Montag, 28 März 2016.
Geposted in Workshops , YiMC 2016